CD-Rezension / Review / Kritik

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tomas tulpe wie wärs mit senf

Tomas Tulpe
„Wie wär’s mit Senf?“
(Zett Records)
Everybody in the house? Gut, Tomas Tulpe rastet nämlich wieder aus. Zwei Jahre hat der Berliner Electro-Komiker seiner wachsenden Anhängerschaft gelassen, herrlichen Unfug wie „Klostein statt Seife“, „Ich happa Hunger“ oder „Autsch autsch aua“ zu begreifen. Jetzt langt er wieder hin, irrer denn je. „Schmier mir eine Schnitte“ prahlt mit den Fertigkeiten von Mutti, „Issat Tach, issat Nacht“ seziert die Eigenschaften einer handelsüblichen Sonnenbrille, es wird berichtet, was passieren muss, um Hausverbot im Späti zu bekommen, worin die nicht von der Hand zu weisenden Vorzüge von Fettleibigkeit und Mädchen ohne BH liegen und erklärt, wie wichtig es ist, wenig zu trinken, solange es nur oft und viel ist. Gute Erziehung beweist Tulpe aber auch und ermahnt die Hörer, die Hände aus den Taschen zu nehmen und ein bestimmtes Wort mit F nicht zu gebrauchen. Wenn das keine blitzgescheiten Beobachtungen sind, die die Menschheit zu einem radikalen Umdenken bewegen könnten und einen Weg zu immerwährendem Weltfrieden aufzeigen, was bitte dann? Verpackt ist das lyrische Kulturgut in minimale, aber satte Elektronik im Geiste von DAF und mit Parallelen zu Anarchisten wie H.GichT, Susanne Blech oder The toten Crackhuren im Kofferraum. Die Antwort auf die Frage im Albumtitel lautet letztlich ganz eindeutig: Gewitter!
Jörn Karstedt

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 09/2014.

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