CD-Rezension / Review / Kritik

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phantogram voices

Phantogram
„Voices“
(Republic Records/Caroline/Universal)
War schon immer so viel Gitarre bei Phantogram? Hatte man doch ganz anders in Erinnerung?! So oder ähnlich könnten die Reaktionen ausfallen, wenn das Duo aus Greenwich, New York in sein zweites Album startet. War man von Sarah Barthel und Josh Carter bisher wattierte Elektronik mit Zutaten aus Downbeat und Witch House gewohnt, weist „Nothing But Trouble“ nämlich wenig Gemeinsamkeiten mit Songs wie „When I’m Small“ oder „16 Years“ auf. Die allenfalls psychedelisch shoegazenden Riffs des Debüts „Eyelid Movies“ weichen hier einem verstimmten Gezerre, das sich immer wieder vor den himmlischen Gesang der Frontfrau schiebt, bis das Stück schließlich kreischend den Geist aufgibt. Ein aufrüttelnder Einstieg, nach dem sich der Rest dieses Albums allerdings längst nicht so kratzbürstig gibt. Dafür sorgen die versonnen halluzinierende Single „Fall In Love“ oder das beschwörende „Howling At The Moon“, mit dem sich Phantogram zwar wieder beschaulicher geben, jedoch keine Tiefenschärfe vermissen lassen. Da tauchen nacheinander die Spukpop-Kanadier Purity Ring oder I Break Horses aus Schweden vor dem geistigen Ohr auf – und manchmal auch School Of Seven Bells, die nach dem tragischen Tod von Benjamin Curtis leider einer ungewissen Zukunft entgegensehen. Doch wenigstens für Phantogram sind die Aussichten bestens mit diesem rundum überzeugenden zweiten Album voller traumwandlerischer elektronischer Köstlichkeiten – auch wenn man jederzeit damit rechnen muss, dass sie plötzlich die Zähne zeigen. Oder vielmehr die messerscharfen Gitarrensaiten. Und beides steht ihnen ausgesprochen gut.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 07-08/2014.

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