CD-Rezension / Review / Kritik

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lords of acid smoking hot

Lords Of Acid
„Smoking Hot“
(Metropolis/Soulfood)
„Raucht deine Frau nach dem Sex?“ – „Keine Ahnung, ich müsste nachsehen.“ Kalauer wie diese sprechen weniger für die schmutzige Fantasie des Rezensenten denn für jene, die Praga Khan-Macher Maurice Engelen an den Tag legt, wenn er sich Lords Of Acid nennt. Schließlich sparte schon die legendäre 1990er-Maxi „I Sit On Acid“ nicht mit Schweinereien, und auch die Best Of-Compilations „Private Parts“ und „Greatest Tits“ gingen in diese ein- oder vielmehr zweideutige Stoßrichtung. Ähnlich auf die Zwölf bumst das erste reguläre Lords Of Acid-Album seit „Farstucker“ aus dem Jahre 2000. Mit „Voodoo-U“ und „Lover“ sind noch ein paar produktionstechnisch aufgebrezelte Altlasten aus den Neunzigern dabei, doch auch die zehn neuen Stücke fahren mächtige Breakbeats, brachiale Gitarrenüberfälle und fleischfressende Club-Electronics auf. Dazu nehmen Engelen und Sängerin Jade 4U nebst weiterer Gespielinnen den Hörer in „Rover TakeOver“ mit Schmackes von hinten oder führen ihn bei „Sole Sucker“ mit krachledernen Mitteln in die Fußerotik ein – nicht nur auf dem Dancefloor, versteht sich. Bei so viel donnernden Anzüglichkeiten und kopulationswilligen Techno-Granaten wünscht man sich zuweilen beinahe Praga Khan mit dem trockenen Mutanten-Funk „Dreamcatcher“ oder dem Rave-Kracher „Phantasia Forever“ zurück – und sagt sich dann am Ende doch: Ach, fuck it. In jeder nur erdenklichen Hinsicht.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 07/2016.
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Tuesday the 28th.
2016 Sonic Seducer Magazin

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