CD-Rezension / Review / Kritik

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Der Himmel über Berlin Amnesia CD Cover

Der Himmel über Berlin „Amnesia“

(Unknown Pleasures Records)
Unter Gothrockern ist das Quartett aus Triest schon länger ein Geheimtipp, wenn auch hierzulande nicht viel mehr. Das könnte sich nun ändern, denn auf „Amnesia“ ist Sänger Teeno Vesper und seinen Mitstreitern eine Vielschichtigkeit gelungen, die man heutzutage selten hört. Was besonders für das Zusammenspiel von Gitarre und Bass gilt, die einander an vielen Stellen geradezu artistisch umtanzen. An manchen Stellen (etwa bei „The Chosen Ones“) driften die Sounds zwar ins Metallische ab, finden aber sogleich wieder zurück in gothrockige Düsternis. Die Detailverliebtheit der Italiener merkt man daran, dass sie viele zusätzliche Instrumente und Töne einsetzen, etwa hier und da eine Glocke oder Tierrufe, die sie als Outro benutzen. Auch mit Stimmungen gehen sie spielerisch um: So beginnt „Sweet And Dancing Butterfly“ mit einem minimalistisch hüpfenden Synth-Intro, um so für eine wunderbar hallende Gitarre den Untergrund zu legen. Vom scheinbar harmlosen Schmetterlingstitel, der sich mit der Bewunderung der Bizarrheiten der Natur beschäftigt, zu „My Rubber Queen“, der in die düsteren Abgründe der Sexualität blickt, könnte der Kontrast kaum größer sein. In diesem Song wird dann auch die Stimme von Teeno Vesper eher bedrohlich und rau. Ein ausgefeiltes Stück Gothrock, das erhöhte Aufmerksamkeit verdient.
Georg Howahl

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 09/2017.
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Wednesday the 13th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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