CD-Rezension / Review / Kritik

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Highasakite Camp Echo

Highasakite
„Camp Echo“
(Propeller Recordings/H’Art)
Liebhaber des unterkühlten skandinavischen Synthiepops, die den mehr oder weniger aufgelösten The Knife hinterhertrauern, können seit geraumer Zeit aufatmen: Mit Me The Tiger oder Kate Boy kam in letzter Zeit genug schwedischer Nachschub, und auch die Norweger Highasakite sind mit ihrem dritten Album nach „All That Floats Will Rain“ und „Silent Treatment“ zurück. Immerhin: Statt etwa Björk gibt Sängerin Ingrid Helene Håvik den Frauenchor von Le Mystère Des Voix Bulgares als Einfluss an, Gitarrist Kristoffer Lo hat einen Jazz-Background. Klingt anstrengend – aber nur bis „My Name Is Liar“ vorwitzig die Synthies klöppeln lässt und das Stück wie ein digitaler Flummi durch die Gegend hüpft. Håvik schlüpft dazu in die Rolle des ehemaligen US-Präsidenten Bush und macht aus ihrer Verachtung für die amerikanische (Außen-)Politik keinen Hehl – was auch der von einer Sektion des Gefangenenlagers Guantanamo entlehnte Titel widerspiegelt. Die erste Auskopplung „Someone Who’ll Get It“ veranstaltet mit dickem Groove jede Menge Geräusch im elektronischen Schwitzkasten, während „God Don’t Leave Me“ eine eisige Pianoballade inszeniert, die sich erst allmählich entblättert, und beim mächtigen Electro-Boogie „Golden Ticket“ sind dann wieder alle wach. Guter Tag, um einen Drachen steigen zu lassen – mit diesem Album auf den Ohren. Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2016.


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