CD-Rezension / Review / Kritik

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Inspiral Carpets
„Inspiral Carpets“
(Cherry Red/Rough Trade)
Die Kuh macht muh. Auch bei Inspiral Carpets, die stets einen bedröhnt aus der Wäsche guckenden Wiederkäuer im Logo führten. Seit 1994 herrschte jedoch Funkstille bei der Band aus Manchester, die Anfang der Neunziger zur Speerspitze der Rave-Bewegung zählte. Die zuletzt ins Kraut schießenden Reunions von The Stone Roses und Happy Mondays machten jedoch Hoffnung – und tatsächlich liegt nun das erste Studioalbum von Inspiral Carpets seit 20 Jahren vor. Und obwohl Sänger Tom Hingley endgültig ausgestiegen ist und nunmehr von Stephen Holt ersetzt wird, macht das Quintett genau dort weiter, wo es einst aufhörte: bei aufgekratztem Indie-Pop und -Rock ausgesprochen britischer Prägung, der seine Wurzeln unüberhörbar in Sixties und psychedelischer Beatmusik hat. Dabei stehen Inspiral Carpets auch dem qualmenden Garagenrock der Fuzztones oder The Velvet Underground nahe: In jedem Stück steigen verdächtige Schwaden aus Clint Boons Orgel auf, der Opener „Monochrome“ geht direkt von null auf hundert, und wenn die Singles „Spitfire“ und „You’re So Good For Me“ durch sind, ist eigentlich schon alles in trockenen Tüchern. Dabei lassen es Inspiral Carpets allerdings nicht bewenden: „A To Z Of My Heart“ mausert sich schnell zum schönsten Schunkler seit „She Comes In The Fall“, „Our Time“ emuliert die zerhackten Riffs von „I’m Waiting For The Man“, und bei „Let You Down“ gastiert sogar der altehrwürdige (Post-)Punk-Poet John Cooper Clarke. Ein Album, als wäre nichts gewesen – und das bisher überzeugendste aller Rave-Comebacks.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 10/2014.


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