CD-Rezension / Review / Kritik

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das war krach protokino

Das War Krach
„Protokino“
(Danse Macabre/Alive)
Nehmen wir an, die Bondage Fairies würden in die Schweiz auswandern und dort mit den Metallspürhunden Grossstadtflüstern. Thema: Die Einsamkeit des kritischen Geistes in der medial vermüllten Gesellschaft. Nein, keine Bange: Diskursrock praktizieren Herr Pinguin und Frau Hase nicht. Wir sind hier in Zürich, nicht in Hamburg. Das War Krach verbinden ihre meist bissigen, ab und an aber auch melancholiegetränkten Betrachtungen (wer bei „Laika“ an das traurige Schicksal des ersten Hundes im Weltraum denken mag, der darf) stets mit Musik, die elektronischen Retro-Charme, dezent punkigen NDW-Gestus und einen guten Riecher für Clubbedürfnisse verbindet. „Protokino“ wühlt im Kulturkompost des Geschichtsbuchzeitalters und fördert dabei einen Ohrwurm nach dem anderen zu Tage. Krachig klingt das Duo dabei eher unterschwellig. Der Lärm schmirgelt raffiniert an der Eingängigkeit der Kompositionen. Britisch angehauchte Gitarren sägen am Pop-Appeal, ein treibendes Schlagzeug erschüttert die Leichtigkeit des Seins, ehe sich Das War Krach mit „Stillstand“ lyrisch wie klanglich äußerst geschmeidig verabschieden – darauf vertrauend, dass der nächste Durchlauf nur eine Tonarmbewegung oder einen Mausklick entfernt ist. Zu Recht! Ob man das Vinyl auf dem Teller oder die mitgelieferten mp3s auf dem Rechner hat: Wer mit dem Duo auf gleicher Wellenlinie liegt, wird garantiert zum Stammgast im „Protokino“ werden.
Daniel Berger


Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 02/2014.

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