CD-Rezension / Review / Kritik

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france live a l ottfest

France
„Live A L’Ottfest“
(Ana Ott/Cargo)
Den Begriff Kultband möchte man angesichts seines inflationären Gebrauchs im Zusammenhang mit dem französischen Drone-Monster France nicht anbringen. Dann lieber den Verweis auf die geschickt inszenierte Selbstmystifizierung in Form rarer Tonträger, höchst obskurer Biographien und schlechter Auffindbarkeit im Netz aufgrund des Bandnamens. Dennoch - als France 2014 auf dem Ottfest spielten, war die Bude voll und das Publikum nach wenigen Minuten in Trance versetzt. Letzteres verwundert wenig, denn auf nichts anderes zielen France mit ihrem gesamten Schaffen ab: ein maximal monotoner Beat, der über die komplette Konzertlänge gehalten wird, dazu der infernale Sound aus Gitarre und elektrischer Drehleier, der sich immer tiefer durch die Ohren ins Hirn hinein frisst. Ob France hier zehn Minuten, zwei Stunden oder vier Tage am Stück zugange waren, kann niemand mit Bestimmtheit sagen; zumindest nicht ohne einen Blick auf die Spieldauer des Mitschnitts zu werfen. Und dieser erreicht - entsprechende Lautstärke vorausgesetzt – auch auf der heimischen Anlage einen ähnlichen Effekt wie bei der Livepräsentation: die vollkommene Auflösung des Ichs im Wall-Of-Sound. Nicht mehr. Nicht weniger. Aber selten dermaßen konsequent dargeboten.
Sascha Bertoncin

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2016.


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