CD-Rezension / Review / Kritik

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flip grater pigalle

Flip Grater
„Pigalle“
(Make My Day/Indigo)
Ganz Paris träumt von der Liebe – außer Flip Grater, die eigentlich Clare mit Vornamen heißt. Die ebendort residierende neuseeländische Sängerin kümmert sich nämlich mit Vorliebe um die dunklen Seiten der Metropole, wenn sie nicht gerade vegane Kochbücher für das Leben auf Tour schreibt. Durch ihre Songs schwirren abgeranzte Nachtclubtänzerinnen, ausgemergelte Drogenfreaks und andere bedauernswerte Gestalten. Es nimmt nicht Wunder, dass „Pigalle“ mit Unheil verkündenden Folk-Balladen, bassig rumorenden Rock-Miniaturen und bitteren Moritaten vornehmlich finster gestimmt ist. Da zittern im akustisch beschwörenden „The Quit“ die Hände vom fortwährenden Alkoholmissbrauch, träumt „Exit Sign“ von der Flucht aus den übel beleumundeten Kaschemmen, und auch dem armen Teufel aus „Justin Was A Junkie“ geht es alles andere als gut – sofern er überhaupt noch unter uns weilt. Flip Grater zieht aus der Unbill ihrer Protagonisten derweil den bestmöglichen Schluss, trinkt vermutlich eher mäßig als regelmäßig, raut ihre Musik immer wieder mit anmutigen Gegenentwürfen zu urbaner Finsternis auf und scheint in „Hide And Seek“ gar einem gongenden und bimmelnden Gamelan-Orchester vorzustehen. Zum Schluss leistet sie sich ein ausladendes Duett mit Poni Hoax-Sänger Nicolas Ker, in dem beide Hand in Hand vor den Leibhaftigen treten, sodass es mit „Pigalle“ zumindest musikalisch ein gutes Ende nimmt. Veganes Katerfrühstück gefällig?
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2014.


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