CD-Rezension / Review / Kritik

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erasure the violet flame

Erasure
„The Violet Flame”
(Mute/GoodToGo)
Als Traditionalisten erweisen sich Andy Bell und Vince Clarke auf ihrem 16. Studioalbum allenfalls im Hinblick auf die gebotene Laufzeit. Es gibt zehn Songs im zumeist unter vierminütigen Bereich, und das hat zu reichen. Dennoch beschleicht den Hörer das Gefühl, einem ausdauernden Output beizuwohnen. Und dies nicht etwa, weil „The Violet Flame” Längen aufweisen würde. Au contraire, aber sowas von! Es fasziniert vielmehr die grandiose Vielschichtigkeit, mit der es Erasure verstehen, täuschend schlichte Kompositionen mit einem hochmodernen Flair zu veredeln und dennoch zu 100 % sich selbst treu zu bleiben. Hier stimmt jeder Ton, jede Nuance, jede Phrasierung. Weitere Dreingaben wären des Guten zu viel. Im Einzelnen: „Dead Of Night” bestellt als eleganter Stampfer das Feld für den astrein designierten Singlehit „Elevation”. Doch Obacht! Der Schlüsselsong folgt mit „Reason”, der den euphorisierten Duktus des Albums auch inhaltlich erschließt. Es gibt nichts zu bereuen, der Blick richtet sich lustvoll nach vorn, in Richtung einer (noch) besseren Welt. Dem sukkulent treibenden „Promises” schließt sich die völlig entkitschte Ballade „Be The One” an, bevor sich „Sacred” von einem zunächst ziellos erscheinenden Hängerchen zu einem unwiderstehlichen Ohrwurm mausert. „Under The Wave” becirct mit verzagt leidenden Oh-Oh-Ohs, „Smoke Mirrors” mit stilvoll vollendetem Canossagang-Gesang. „Paradise” schließt die Klammer zum Opener, bevor die sanft sentimentale Selbstbeschau von „Stayed A Little Late Tonight“ zur finalen Kaiserkrönung lädt. Noch Fragen?
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 10/2014.


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