CD-Rezension / Review / Kritik

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Booka Shade Galvany Street CD Cover

Booka Shade „Galvany Street”

(Blaufield Music/Rough Trade)
Öfter mal was Neues. Dachten sich auch Walter Merziger und Arno Kammermeier alias Booka Shade, nachdem sie seit 2004 in der Electro-House-Szene unterwegs gewesen waren und dort im Grunde alles erreicht hatten: Das zusammen mit den Kumpels M.A.N.D.Y. eingeschraubte „Body Language“ war ein Hit, das überaus erfolgreiche 2006er Album „Movements“ bekam eine Anniversary Edition zum zehnten Jahrestag spendiert. Auf dem sechsten Longplayer drehen sich die beiden Wahlberliner nun um 180 Grad, und so gibt es in der „Galvany Street“ plötzlich alles, was es bei Booka Shade bisher nicht gab. Konzises Songwriting mit einer Durchschnittslänge von vier Minuten, Stücke, die mit verstärktem Einsatz elektronischer Instrumente bei Alternative und Madchester-Rave ansetzen statt in der Großraumdisco, und einen Sänger, den man bisher hauptsächlich von den Electro-Rockern Archive kannte. Nichtsdestotrotz klatschen im Opener „Digging A Hole“ oder im vollmundig durchgroovenden „Numb The Pain“ die Beats nach wie vor saftig, und die TripHop-Ansätze und scheppernden Percussions von „Broken Skin“ und „Peak“ mauscheln mit Downbeat und EDM – vor allem in letzterem Stück sind Parallelen zum aktuellen Moderat-Album unüberhörbar. Und wer bis hierhin die Rock-Momente vermisst hat, darf sich bei der Single „Babylon“ durchaus angenehm an die frühen Happy Mondays erinnert fühlen – und bei „Eyes Open“ auch an Underworld. Große Verweise für ein durchweg starkes Album einer Band, die sich weigert, am Alten klebenzubleiben.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2017.
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