Drucken
youth code commitment to complications

Youth Code „Commitment To Complications“

(Dais Records)
Das selbstbetitelte Debüt und die Ende 2014 nachgeschobene EP „A Place To Stand“ waren eine Wucht. Jetzt zeigt sich, ob der auffälligste neue Electro-Act seit vielen Jahren hält, was er indirekt versprochen hat. Oder weiter zulegen kann. Die erste Erkenntnis kommt, nachdem man erst ausgeknockt und dann platt gewalzt wurde: Es geht noch härter, noch schneller, noch direkter. „Transitions“ und der Titeltrack sind ganz grob behandelte EBM-/Punk-Bretter, die einem das L.A.-Duo ansatzlos in die Fresse haut. Dass bei 160 BPM nicht die Grenze ist, ahnt man seit Cat Rapes Dog zu Elchhaar-Zeiten, wie hemmungslos sie überschritten werden kann, ist nun klar. Die Frontfrau gebärdet sich wie ein tollwütiger Köter in hagelnden Drums und sich überschlagenden Bässen. Mehr wäre ungesund und hätte dieser Platte auch nicht gut getan, weshalb „The Dust Of Fallen Rome“ zumindest im Refrain die Bremse anzieht und die Vorabsingle „Anagnorisis“ sowie „Doghead“ zwischenzeitlich wieder in gewohntes Terrain einrücken, das in der Peripherie von Vancouver und Chicago zu finden ist. Apropos Vancouver: Rhys Fulber als Produzent des Albums und Garant für Sounddichte und Dynamik wird beinahe zur Randnotiz, wenn mit „Glass Splitter“ ein ganz fieses Stück angeschlichen kommt, das wohl zu lange mit 3TEETHs „Master Of Decay“ abgehangen hat. „Lacerate Will“ schwört wiederum Puppy-Atmosphäre herauf, bevor es im letzten Viertel mit 200 Puls quer durch das Youth Code-Repertoire geht, ohne weitere Grenzen einzureißen. Sind Sara Taylor und Ryan George schließlich mit einem fertig, bleiben ausgeschlagene Zähne, blutende Ohren, ein mordsmäßiger Kater, aber auch die Gewissheit, eins der Alben des Jahres gehört zu haben.
Jörn Karstedt








Powered by Spearhead Software Labs Joomla Facebook Like Button
Wednesday the 29th.
2016 Sonic Seducer Magazin

©