Drucken
the kvb of desire

The KVB „Of Desire“

(Invada Records/PIAS/Rough Trade)
Wie wäre es mit ein bisschen Recherche, statt immer nur vom ÖPNV in einer Rheinmetropole mit Dom zu reden? Wer lange genug sucht, sucht, wird nämlich herausfinden, dass die männliche The KVB-Hälfte Nicholas Wood sich auf den ersten Platten seiner Band Klaus von Barrel nannte – hat sich also was mit den Kölner Verkehrsbetrieben, zumal Wood und seine Partnerin Kat Day inzwischen in Berlin leben. „Of Desire“, das zweite Album der zwei Briten auf dem Label von Portisheads Geoff Barrow, gemahnt indes eher an die Zeiten, als die Haupt- noch eine Mauerstadt war – mit eisigen Ausdünstungen von Cold Wave und Post-Punk, in denen psychedelisch zersplitternde Gitarren mit analoger Elektronik und gespenstischem Gesang aus der Zwischenwelt verschmelzen. Eine Geistesverwandtschaft besteht also nicht nur mit Joy Division oder The Soft Moon, sondern auch mit dem Neo-Kraut von Moon Duo oder mit den New Yorker Effektpedal-Extremisten A Place To Bury Strangers. Wobei The KVB gar nicht erst versuchen, ähnlich vernichtende Lärmwände aufzuschichten. Stattdessen schleichen sich in der Single „In Deep“ feine Licks zwischen den treibenden Basslauf und die mechanischen Stakkato-Beats, während der Raum allmählich in einem unheilvollen Groove versinkt. Wenn „Lower Depths“ und das großartige „Never Enough“ zu langgezogenen Synthie-Sirenen die Sehnsüchte aus dem Albumtitel verhandeln, ist „Of Desire“ sogar kurz der wohl dunkelste Dream-Pop, den man sich vorstellen kann – und dieses Album eins der besten des noch jungen Jahres.
Thomas Pilgrim






Powered by Spearhead Software Labs Joomla Facebook Like Button
Wednesday the 29th.
2016 Sonic Seducer Magazin

©