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daughter not to disappear

Daughter
„Not To Disappear“
(4AD/Beggarsgroup/Indigo)
Beziehungsneurosen und die Vergänglichkeit des Seins – so lauteten die Themen, die Daughter aus London vor drei Jahren auf ihrem vorzüglichen Debüt „If You Leave“ verhandelten, während sie sachte verhallenden, mitunter düster-folkigen Indie-Pop mit Beigaben aus Shoegaze und Singer-Songwriter entwarfen. Selbstzweifel und Existenzängste sind auch auf Album Nummer zwei spürbar – vor allem dank Elena Tonras Stimme, die sich sanft, aber bestimmt gegen das Verlassenwerden wehrt. Schon der Opener „New Ways“ schiebt Igor Haefelis perlende Gitarren noch etwas näher an The xx, beschwört den Albumtitel und weigert sich, zu verblassen – die Songs schwellen immer wieder an und ab und oszillieren beständig zwischen unterschwelligem Rumpeln und hingetupften Miniaturen, wobei die Single „Doing The Right Thing“ und das bekümmerte „Mothers“ geeignete Eckpfeiler abgeben. ‚I hate sleeping with you / Cause you are never there’ singt Tonra in „Alone / With You“, zwischenmenschliche Aggregatzustände verschwimmen zusehends und prallen auf sexuelle Metaphern – entsprechend wird das Trio in der Folge immer gereizter und lässt „No Care“ und „Fossa“ von unsanften Beat-Eruptionen durchschütteln, bevor das trotz allem fragile Gebilde am Ende von „Made Of Stone“ allmählich auseinanderfällt. All das macht „Not To Disappear“ zu einer hochemotionalen, fordernden Angelegenheit – und zu einem Album, dank dem Daughter bestimmt nicht so schnell von der Bildfläche verschwinden werden.
Thomas Pilgrim
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