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BOTB Logo smallDIE BANDS & PROJEKTE 2016


Zartes Gebläse aus dem Elbenwald, nihilistischer Industrial-Lärm oder peitschende EBM-Rhythmen? Wir haben vorausgewählt. Nun ist es an Euch, aus den 30 Kandidaten, die es in die Endrunde des diesjährigen Battle Of The Bands schafften, Eure Favoriten zu küren. Im Folgenden stellen wir die Teilnehmer und ihre Wettbewerbsbeiträge näher vor.

Name Play Duration
Your Painkiller
Black Daffodils

4:48 min
Monster
BodyHarvest

4:29 min
Glorious Days
Cathu Bodua

4:23 min
The Elements Of A New Era
Conflict

7:10 min
Morpheus Fluch
Draconisgena

3:43 min
Spiralling
Elektrofish

4:18 min
Looking Forward
evo_lution

4:45 min
God Commits Suicide
Filth Pig

3:57 min
Met, Wirt, Bestellt
Haggefugg

3:37 min
Still There
Holygram

4:19 min
This Room
Junksista

2:51 min
Angst+Noise+War
Kadeakas

4:08 min
In Memories
Longed For Fusion

4:34 min
Hola que tal
Los Skeleteros

2:52 min
Geh noch nicht
Lustkind

5:00 min
Evil Dead
Mutant Reavers

3:29 min
Ignorance Is No Excuse
OxicInc

3:59 min
Braindead
Raizing Hell

4:33 min
I.C.U.
Reaktor

4:22 min
Lucicry
Saint Astray

5:08 min
Xordas
Sangre De Muerdago

6:44 min
Bath Water
Significant Insect

4:39 min
Dance With Me
Six Faces

3:47 min
Der Stiefel
Transponder

3:58 min
Innsmouth
Truemmertiefen

4:42 min
Insomnia
VAyL

6:35 min
The Witches Rune
Vitae

4:44 min
Schlinge
Zeder + Moto

5:01 min
Bierpanscher
Zwielicht

4:00 min
Dumm macht populaer
Zynik 14

4:43 min
Black Daffodils „Your Painkiller“
(www.black-daffodils.com)
Dass die Sängerin der fünf schwarzen Narzissen ausgerechnet Andrea Weiß heißt, ist schon ein wenig kurios. Im Klangbild der Band aus dem Landkreis Bayreuth, die 2007 als Cover-Combo anfing, sich Liedern von Evanescence, Nightwish oder Lacuna Coil zu widmen, finden sich keine entsprechend krassen Gegensätze. Stattdessen widmet man sich auch mit dem selbstgeschriebenen Repertoire einer eingängigen Melange aus Düsterrock, einer Prise Symphonic Metal und hin und wieder sogar einer Portion poppiger Melodien. Beispiel: „Your Painkiller“, eine Nummer, die sofort ins Ohr geht.

BodyHarvest „Monster“
(www.bodyharvest.de)
Wer offen bekennt, mit den harschen Elektronik-Krachmachern von Terrorfrequenz befreundet zu sein, und auf seinem Album der ganzen Welt den Krieg erklärt, macht wahrscheinlich keinen geschmeidigen Synthpop. Klar. René und Julia alias BodyHarvest (nicht zu verwechseln mit den Todesmetallern Body Harvest aus Bristol) mischen unbeirrt geradeaus stampfende Clubbeats und schmutzige Sounds mit einem Gran Eingängigkeit, das sie für den schwarzen Tanzflur prädestiniert. Mit seinem bissigen „Monster“ stellt sich das Duo aus Dachau, das auch privat gemeinsame Wege geht, zehn Jahre nach der Projektgründung Eurem Urteil.

Cathu Bodua „Glorious Days“
(www.cathubodua.be)
Selbstbewusst nennen die sechs Belgier um Sängerin Sara ihre erste Veröffentlichung „Opus I: Dawn“. Tatsächlich kommt der sinfonisch angehauchte Metal der Band recht ausladend daher. Opernhafte Elemente und Folk, der nicht zuletzt von Geigerin Katrien eingestreut wird, treffen in den Kompositionen auf klassische Mattenschwingerkost. Textlich geht es um alte Römer und Orks, Zauberer und heldenhafte Schwertkämpfer. Die Musiker selbst empfehlen, einen Krug Bier bereitzustellen, ehe man die Reise in ihre Welt antritt. „Drink and dance with us“ heißt es auch in ihrem Beitrag „Glorious Days“. Na dann: Prost!

Conflict „The Elements Of A New Era“
(www.conflictmetal.ru)
Wie würden Fear Factory klingen, wenn sie eine Sängerin hätten? Vielleicht ganz ähnlich wie das Moskauer Industrial Metal-Quartett Conflict, das im Zuge des Bandcontests gleich über den Anbruch einer neuen Ära nachdenkt. Überhaupt haben die vier Russen eine Schwäche für futuristische Szenarien. So kreist ihr Album „Transform Into A Human“ um das Verschwimmen der Grenzen zwischen Mensch und Maschine in einer düster gezeichneten Zukunft. Musikalisch bedeutet das: Synthflächen und Stakkatoriffs, die in einem mächtigen Soundwall kulminieren.

Draconisgena „Morpheus’ Fluch“
(facebook.com/Draconisgena)
Wer aus einem Ort namens Hermeskeil stammt, darf auch mit barbarisch aufgerauter Kehle über Götter singen und zur verzerrten Gitarre den Dudelsack blähen, dass man kaum umhinkann, ein eingehendes Studium der frühen In Extremo-Veröffentlichungen zu unterstellen. Die Combo aus dem Hunsrück fühlt sich dem Mittelalterspektakel ebenso nah wie der Gothic-Szene und legt sich mächtig ins Zeug, um Euch für fast vier Minuten aus der Realität ins Reich schweißtreibender Träume zu entführen.

eleKtroFish „Spiralling“
(facebook.com/eleKtroFish-818383471544576)
Patrik Ganebratt aus Göteborg hat sich dem künstlerisch verspielten Synthpop verschrieben. Mit seiner ersten Single tummelte sich der gute Mann, der gerne mit verschiedenen Produzenten kooperiert, um möglichst unterschiedliche Klänge auszutesten, auf Teil 4 der Samplerreihe „Swedish Electro“. Seine zweite Single „Spiralling“ geht hier ins Rennen. Laut eigenem Bekunden hat der Skandinavier übrigens erst 2015 seinen ersten eigenen Song geschrieben. Dafür geht er ziemlich souverän zu Werke. Doch hört selbst.

evo-lution „Looking Forward“
(facebook.com/evolution.kassel)
Der Bandname evo-lution und der Titel „Looking Forward“ lassen es bereits ahnen: Das Trio aus Hessen und Nordrhein-Westfalen, das in der aktuellen Besetzung erst dieses Jahr zusammengefunden hat, zeichnet sich durch eine Ader fürs Futuristische aus. Kein Wunder also, dass sich in der Musik Futurepop-Elemente finden. Sie gehen allerdings eine Liaison mit knackigem Electro ein. Synthesizer, Samples und Loops umspielen harte Rhythmen. Ob sich die clubtaugliche Nummer zu einem Battle-Favoriten entwickelt? Wir sind gespannt.

Filth Pig „God Commits Suicide“
(facebook.com/filthpigmetal)
Merseburg ist für seine mittelalterlichen Zaubersprüche und seinen Dom berühmt. Zauberhaft ist an der Musik des dort ansässigen Ein-Mann-Projekts Filth Pig nun allerdings wirklich rein gar nichts. Und was das Gotteshaus angeht: „God Commits Suicide“ wird es sicher nicht ins Kirchengesangbuch schaffen. Dieser Krach stammt direkt aus dem Herzen der Finsternis. Wer die kompromisslosen Lärmattacken im Werk von Ministry zu schätzen weiß, wird das Lärmen des Industrial-Metallers von der Saale sicher gern goutieren.

Haggefugg „Met, Wirt, bestellt“
(www.haggefugg.de)
Koonbloomeblau ist vermutlich die Lieblingsfarbe der sechs Kölner Spielleute, die hier mit Honigwein zum Feiern laden. Ihr Motto lautet: „Wir sind Haggefugg! Und ihr seid Haggefoll!”. Musikalisch überzeugt „Met, Wirt, bestellt“ auch nüchtern betrachtet durch Ohrwurmmelodien aus der Sackpfeife und feist rockende Gitarren. Seit 2015 verbreitet die trinkfeste Bande Frohsinn im Lande – übrigens nicht in kölscher Mundart, sondern auf Hochdeutsch. Schließlich soll das geneigte Publikum ja auch außerhalb der Heimat mit erhobenem Trinkhorn mitgrölen können.

Holygram „Still Here“
(www.holygram.band)
Ganz andere Töne schlagen die ebenfalls aus Köln stammenden Herren von Holygram an. Das erst anno 2015 ins Leben gerufene Quintett beschreibt seine Musik als Gratwanderung zwischen Post Punk und Krautrock. „Still Here“ von der vielversprechenden, selbstbetitelten Debüt-EP verneigt sich zwar unüberhörbar vor frühen New Order, Joy Division oder The Cure in ihrer „Faith“-Phase, verbindet die traditionelle Mischung aus treibendem Rhythmus und Melancholie aber mit einem eigenen Dreh, der den Sound im Hier und Jetzt verankert.

Junksista „This Room“
(www.junksista.de)
„…Stuttgart, Ulm und Biberach, Meckebeure, Durlesbach…“ Richtig: Der Streckenverlauf der vielbesungenen „Schwäb’sche Eisebahne“ liest sich nur bedingt wie eine Aufzählung von heißen Club-Metropolen. Unterschätzen sollte man die Tanztempelkompetenz der Region aber auch nicht. Boog und Diana alias Junksista basteln in Biberach an schweißtreibenden Tracks wie „This Room“, das auf elektronischer Basis amtlich rockt und dem spaßbefreiten Spießer mit lasziven Vocals die Schamesröte ins Gesicht treibt. Nicht plump provokativ, sondern mit einem erfrischenden Augenzwinkern.

The Kadeadkas „Angst+Noise+War“
(facebook.com/KADEADKAS)
Mit Sängerin Kati und ihren drei Mitstreitern stellt sich eine junge Band aus Köln vor, die klingt, als habe sie bereits ein langes Dasein zwischen Fledermäusen, Spinnweben, Grabkerzen, Weinflaschen und Haarspraydosen hinter sich. „Angst+Noise+War“ steht exemplarisch für jene im Post Punk verwurzelte Düsternis mit Biss, die der Vierer zelebriert. Die aktuellen Demoaufnahmen und das diesjährige Live-Debüt zeugen von einem sicheren Gespür für schlüssiges Songwriting und lassen auf eine dauerhafte Bereicherung für die Szene hoffen.

Longed For Fusion „In Memories“
(facebook.com/Longed-for-Fusion-Official-Facebook-113166611947)
Die Musiker um Sängerin Jenny Herbold kannten sich bereits, ehe sie 2005 beschlossen, unter dem Banner Longed For Fusion gemeinsame Sache zu machen und sich dem eigens geschaffenen Subgenre female fronted Gothic Power Metal zu widmen. Das Wortungeheuer birgt einen wahren Kern: Die Neubrandenburger untermalen den Gesang ihrer Frontdame tatsächlich nicht nur mit melodischen Pianoklängen, sondern auch mit auffallend kraftvollem Einsatz von Gitarre und Rhythmusgruppe. So auch beim Wettbewerbsbeitrag „In Memories“.

Los Skeleteros „Hola Que Tal“
(www.skeleteros.jimdo.com)
Für die drei Stuttgarter ist der Dia de los Muertos, der mexikanische Tag der Toten, Alltag. Speedy Gonzaleks, Skeletonio Panteras und Juan Calavera wurden direkt aus der Hölle zurück auf die Erde gesandt, um den Lebenden mit ihrem Mariachi-Punk einzuheizen und sie mit ihrem schwäbischen Akzent zu verwirren. Neben Traditionals wie „Viva Mexico“ und einer trashigen Coverversion des Ricky Martin Hits „La Vida Loca“ weiß das Trio die Knochen auch mit Eigenkompositionen wie „Hola Que Tal“ ordentlich zum Klappern zu bringen. Macht Euch bereit für das Gefühl von Mezcal am Gaumen und Wüstensand zwischen den Zähnen.

Lustkind „Geh noch nicht“
(facebook.com/lustkind)
Kontrabass, Cello, Querflöte und Riffs, die gar nicht erst versuchen, ihre metallischen Wurzeln zu verleugnen: Lustkind aus Mainz sind eine jener Bands, die sich nirgends einordnen und auf keinen Stil festnageln lassen. Wer Individualismus sucht, wird hier fündig. Der Titel des Debüts von 2007, „Energie küsst Unschuld“, ist immer noch Programm. Entsprechend wandelt Sänger und Gitarrist Christian Albers auf der jüngsten EP „Ein Abend nur für Euch“ am Rande des Wahnsinns, singt aus vollem Halse, nur um im nächsten Moment mit Growls über den Hörer herzufallen. Überraschungsmomente sind auch bei „Geh noch nicht“ garantiert.

Mutant Reavers „Evil Dead“
(www.mutantreavers.com)
Sam Raimi hat es wirklich geschafft! Sein Streifen „Evil Dead“ alias „Tanz der Teufel“ genießt selbst unter außerirdischen Outlaws Kultstatus. Die in Kiel untergetauchten Mutant Reavers lobpreisen hier die Segnungen der Kettensäge und toben durch die sattsam bekannte Waldhütte, in deren Keller das Necronomicon schlummert. Fleißig sind die vier Aliens übrigens auch: Seit sie 2015 beschlossen, sich die Erde mit ihrem metall-legierten Horrorpunk längerfristig untertan zu machen, sind eine EP und ein Langspieler erschienen. Letzterer hört auf den anheimelnden Namen „Cosmic Carnage“, was so viel bedeutet wie galaktisches Gemetzel.

Oxic Inc. „Ignorance Is No Excuse“
(facebook.com/OxicInc)
Cem Bergerac dürfte der eine oder andere von seinen Aktivitäten mit Eycromon her kennen. Seit diesem Jahr hat der Sänger mit den ebenfalls erfahrenen Kollegen Robert Tale (Gitarre) und Florian PunktP (Drums) ein neues Projekt namens Oxic Inc. am Start, das Dark Wave, Gothic-Elemente und rockende Ansätze bis hin zu NDH-Einflüssen nutzt, um Endzeitstimmung in der Tradition von George Orwells „1984“ zu verbreiten: mal in deutscher, mal in englischer Zunge. Mit „Ignorance Is No Excuse“ laden die Augsburger zu einem Tanz am Abgrund, bei dem der Denkapparat eingeschaltet bleibt.

Raizing Hell „Braindead“
(facebook.com/Raizing.Hell)
Rumänien verfügt mit Transsylvanien über einen legendären Tummelplatz für Kreaturen der Nacht. In Sachen Horror-Rock’n’Roll ist das Land bis dato seltsamerweise trotzdem nicht weiter auffällig geworden. Dabei treiben Liv Decay und ihre Jungs schon seit 2011 ihr Unwesen – und das nicht nur in Bukarest. „Braindead“ vom zweiten Album „Monsters Prefer Blondes“ orientiert sich an der friedhofserdigen Aura des „Return Of The Living Dead“-Soundtracks, lässt aber auch eine gewisse Verehrung für die Plasmatics oder kratzbürstige Frauencombos wie L7 erahnen. Das Resultat ist ein B-Movie für die Ohren.

Reaktor „I. C. U.“
(facebook.com/Reaktor17)
Keine Chance für die Energiewende gibt es bei den Düsseldorfern Martin Hofreiter und Jacques Rodenbusch, deren Reaktor seit 2011 in Betrieb ist und immer noch zuverlässig und unfallfrei Dark Electro ins Szene-Netz einspeist, wie „I. C. U.“ beweist. So kompromisslos das Duo bei der Energieerzeugung zu Werke geht: Blindheit für das, was außerhalb ihres Kosmos geschieht, kann man den Musikern nicht vorwerfen. Neben diversen kritischen Textinhalten ist ihr Engagement für Sea Shepherd ein Statement.

Saint Astray „Lucicry“
(www.saintastray.de)
Klassische Metal-Verweise treffen auf Dark Rock, wenn Saint Astray aus Nürnberg ihre Lieder anstimmen. Gedanken an Bands wie Poisonblack oder Sentenced sind erlaubt. Während der Bandname so viel bedeutet wie „Der Heilige, der vom Weg abkam“, weiß das Sextett recht gut, wo es hinwill. „Lucicry“ vom zweiten Album „Abyss“ rückt nicht zuletzt die sonoren tieferen Regionen der Stimme von Sänger Andy ins rechte Licht, lässt aber auch Raum für solistische Ausflüge an Gitarre und Keyboard, die eine gewisse Prog-Affinität erkennen lassen.

Sangre De Muerdago „Xordas“
(facebook.com/thecrowcallstheravenblack)
Pablo C. Ursusson stammt aus Galizien, inzwischen hat es ihn nach Leipzig verschlagen. Sein Musikprojekt Sangre De Muerdago hat er mitgebracht und führt er in Deutschland nach Kräften weiter. Das Hauptaugenmerk liegt auf stimmungsvollen, leisen und melancholischen Folk-Songs wie dem berührenden „Xordas“ mit seinem filigranen akustischen Klangbild. Neben Flöten und sanftem Gitarrenspiel bindet die naturverbundene Band auch Nyckelharpa oder Drehleier mit ein. Das Resultat: Musik wie ein Spaziergang durch eine von wilder Schönheit geprägte Landschaft.

Significant Insect „Bath Water“
(facebook.com/significantinsect)
Greg Michalski (Keyboards, Gitarre, Drum Programming) und Kim Urhahn (Gesang) sind im kanadischen Vancouver ansässig und machen seit 2008 gemeinsame Sache. Sie verstehen ihre Musik als Gegenreaktion auf den rein materialistisch ausgerichteten Lebensstil im modernen Nordamerika und bezeichnen sie als „Elektrorock für die Einsamen“. „Bath Water“ vereint die kühle Atmosphäre eines zu groß geratenen Badezimmers in einem stillen, unbelebten Haus mit Kims mal geisterhafter, mal sehnsuchtsvoller Stimme. Ist das nun schaurig schön oder sublim bedrohlich? Entscheidet selbst.

Six Faces „Dance With Me“
(facebook.com/Six-Faces-689999797679628)
Tanzbaren Synthpop in der Tradition von Bands wie De/Vision schickt Marko Rujner aus Halle an der Saale ins Rennen, der auch gerne in Berlin an den Songs von Six Faces bastelt. Das Projekt verdankt seinen Namen dem Hang des Sängers zur Vielfalt und verschiedenen musikalischen Facetten, die Eingang in Lieder wie „Dance With Me“ finden. Inhaltlich kreisen die ebenso melancholischen wie melodischen Schöpfungen der sechs Gesichter um persönliche Verluste und das Streben nach Glück.

Transponder „Der Stiefel“
(www.transponder-music.de)
Bei Transponder gibt es keine Experimente. Hanz Acid und Freund 424 programmieren, atmen und schwitzen EBM. Aggressiv, kantig, geradeaus. „Der Stiefel“ donnert wie eine gut geölte Maschine kompromisslos über die Tanzfläche. Die Sample-Würze stammt aus dem kanadischen Science-Fiction-Horrorfilm „Cube“. Der Text verbeugt sich vor Szenegrößen wie den Armageddon Dildos, Nitzer Ebb, DAF oder Skinny Puppy und der Aufforderungscharakter der Zeile „Tanz mit mir, bis nichts mehr geht“ ist unmissverständlich. Clubkost ohne Wenn und Aber.

Trümmertiefen „Innsmouth“
(www.truemmertiefen-band.de)
Kenner des Werkes von H. P. Lovecraft werden es sofort erkannt haben: Trümmertiefen entführen uns in jenes fiktive Küstenstädtchen, dessen Verbindung zu uralten Wesenheiten und Schrecken der Horror-Großmeister mit seinem Cthulhu-Mythos verknüpft hat. Die Band aus Herne, deren Ursprünge zwei Jahre zurückreichen, verspricht allen Fans, dass sie den Mächten des Wahnsinns zuletzt zum Opfer fallen werden. Vielleicht ist das ja der entscheidende Anreiz, für ihren Self Destructive Gothic Rock (so die Bezeichnung für die selbst gewählte Nische) zu votieren?

VAyL „Insomnia“
(www.vayl.de)
Schlaflosigkeit ist garantiert, wenn die drei Berliner ihren Stoner Metal praktizieren. Ein Titel wie „Insomnia“ passt also wie die Faust aufs Auge. Die Musik des Dreiers rifft, grunzt und rockt wie die Hölle. Häufige Breaks und Tempowechsel halten das Geflecht aus schwergewichtigen Grooves und Aggression spannend. Eine Prise Klargesang, die das fast Hardcore-verwandte Grollen durchbricht, sorgt für das nötige Quantum Melodik. Das klingt insgesamt erfreulich wenig nach epigonalem Aufguss amerikanischer Wüstenrocker, sondern transportiert ein gerüttelt Maß urbanen Zorns. Tinnitusverdächtig.

Vitae „The Witches Rune“
(www.vitae-paganfolk.de)
Naturbelassen und ungekünstelt klingen die mittelalterlich inspirierten Pagan-Folker von Vitae. Zumindest dem Mann an Dulcimer, Cister und Percussion, Dr. P., könnten Musikliebhaber bereits von Formationen wie Violet, The Violet Tribe oder dem Ensemble Violetta her kennen. Am Gesang hat auch schon Joran Elane von Elane als Gast vorbeigeschaut. Die Texte stammen teilweise von Blake, Shakespeare oder Tolkien, Griechisch ist den Musikern ebenso geläufig wie Englisch oder Elbisch. Irgendwo im Zauberwald muss allerdings ein Stromanschluss vorhanden sein: „The Witches Rune“ wurde uns als tadelloses MP3 angeliefert.

Zeder + Moto „Schlinge“
(facebook.com/ZederMoto-255319461256893)
Lydon Bronx und Julia Sinus behaupten, die Oberhausener Musikszene sei eher überschaubar. Damit dürften sie richtig liegen. Fakt ist, dass sich der Klangbastler und die Sängerin in den 90er-Jahren über den Weg liefen. Musikalisch zusammengefunden haben sie allerdings erst anno 2014. Seither kreieren sie eine Mischung aus pluckernden Elektro-Klängen und deutschsprachigen Texten mit doppeltem Boden. Die „Schlinge“ ist ein gutes Beispiel und sicher kein Grund, Zeter und Mordio zu schreien.

Zwielicht „Bierpanscher“
(www.zwielicht-band.de)
Mittelalterrock ohne Sack, dafür aber mit Zusatz von Instrumenten wie Fagott, Konzertharfe oder Geige? Zwielicht aus Regensburg verstoßen mit Bedacht gegen das Genre-Reinheitsgebot und schaffen Lieder mit eigener Handschrift. So befreiend das ist: wenn es ums Bierbrauen geht, verstehen die Bayern natürlich nur bedingt Spaß. „Bierpanscher“ ist ein Protestsong gegen die Verwässerung des flüssigen Grundnahrungsmittels, zu dem man als Gerstensaftliebhaber nur gratulieren kann.

Zynik 14 „Dumm macht populär“
(facebook.com/Zynik14)
„Der Mensch ist nur solang schlau, solang es jemand gibt, der dümmer ist“, vermelden Zynik 14 in ihrem Track „Dumm macht populär“, der die Verblendungsmechanismen der Unterhaltungsindustrie attackiert. Frédéric M. (Synthesizer) und Lancelot S. (Stimme) aus dem belgischen Eupen widmen sich seit 2010 gemeinsam der EBM und bedienen sich dabei vorrangig der deutschen Sprache. Mit ihrem Wettbewerbsbeitrag stampfen sie schweren Schrittes durch die Aula der alten Genre-Schule.
Christoph Kutzer

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