CD-Rezension / Review / Kritik

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Rozz Williams Gitane Demone On The Altar In The Heart CD Cover

Rozz Williams & Gitane Demone „On The Altar/ In The Heart“

(Dark Vinyl)
20 Jahre nach dem Freitod von Christian Death-Gründer Rozz Williams, welcher mit Alben wie „Only Theatre Of Pain“, „Catastrophe Ballet“ und „Ashes“ Anfang der 80er den Grundstein des US-Death-Rock legte und bis heute von unzähligen Bands als großer Einfluss angeführt wird, erscheint am Jahrestag 01.04.2018 ein weiteres interessantes Livedokument seines abwechslungsreichen Schaffens. 1995 erschien mit „Dream Home Heartache“ eine neue Kollaboration mit der ehemaligen Christian Death Mitstreiterin Gitane Demone, gefolgt von einer Tour 1996, von welcher diese Aufnahmen stammen. Weitere bekannte Unterstützung aus Endachtziger Christian Death Zeiten steuert der immer sehr tight spielende Gitarrist James Beam bei. Auf dem „On The Altar“-Album befinden sich fast nur Christian Death Songs der Anfangszeit, während auf der „In The Heart“ LP, wie der Name schon nahe legt, die Songs der „Dream Home Heartache“-Veröffentlichung zum Besten gegeben werden. „Spiritual Cramp“ eröffnet mit schepperndem Bass, angetrieben von einem etwas blechern klingenden Schlagzeug, begleitet von sehr rockigem Gitarrensolo. Mit gutem Gitarrensound und allgemein guter Aufnahmequalität wird eine schnelle Version mit schneidendem Gesang von Rozz Willams, welcher durchaus an die Anfangszeiten erinnert, dargeboten. Erwähnt werden sollte, dass nicht alle Christian Death Songs bei den einzelnen Konzerten gespielt worden sind, sondern immer eine unterschiedliche Konstellation. „The Drowning“ zeichnet sich hingegen durch eine sehr vordergründige Stimme mit teilweise schnalzendem Gesang aus, wobei die Bassläufe sehr scheppernd auffallen. Die Version von „Sleepwalk“ überzeugt durch sehr guten Gesang von Rozz und kraftvolle Unterstützung von Gitane wie in alten Tagen. Herausragend ist mit Sicherheit die Performance von „Ashes“, welche sich durch etwas jazzigere Keyboards und eher zurückgenommener Gitarre als im Original abhebt. Die Gesänge von Gitane und Rozz harmonieren perfekt und gehen durch Mark und Bein im Refrain. Absolut gelungen und natürlich hervorragend zum gegebenen Ambiente der Shows passend sticht das kurze „Lament“ heraus mit brillierender Intonierung von Gitane auf Deutsch, an welches sich das sehr ergreifende kraft- und gefühlvolle „The Luxury Of Tears“ anschließt. Einzige Ausnahme der späteren Veröffentlichungen von Rozz Williams unter Christian Death stellt der Song „The Angels“ vom 1993er Album „The Path Of Sorrows“ dar, welcher wie das nachfolgende druckvolle „Cavity“ vom Debüt von der Manchester-Show stammt. Letztere Aufnahme hat leider mit Rückkopplungen zu kämpfen. Der abschließende LP-Bonustrack „Awake At The Wall“ stammt hingegen als einziger Song von einem Miami-Auftritt und stellt einen gebührenden Abschluss dar im Gedenken an den Ausnahmekünstler Rozz Williams. Das insgesamt sehr gelungene Livealbum wird die Erinnerung an Rozz Williams noch lange am Leben halten.
Auf der „In The Heart“ LP werden alle Songs des grandiosen „Dream Home Heartache“-Albums in gediegenen chansonartigen Versionen dargeboten, welche vornehmlich von Hammondorgelsounds und Pianoklängen, wie man sie von The Doors oder Nick Cave kennt, dominiert werden, und Demone kann erneut mit ihren Gesangseinsätzen wohlige Schauer auslösen, während sich Williams mehr auf ruhige Vocals bis hin zu Sprechgesang konzentriert. Besonders berührend wirkt der Titel „Flowers“ mit den bezeichnenden Zeilen „This is my favourite sad story, don’t forget me now, or I forget myself ...“. Alle Songs glänzen durch sehr guten Sound und durch ihre Aufnahmequalität, welche besonders gut auf Vinyl zur Geltung kommen. Als Bonustrack ist auf der LP die schöne David Bowie Coverversion „Time“ vorzufinden.
„On The Altar/ In The Heart“ erscheinen als separate limitierte LPs in clear und black Vinyl sowie als Doppel-CD mit jeweils unterschiedlichen Bonustracks, so dass Fans wohl zu den sehr schönen Vinyls und zur CD-Version greifen werden. Die dezent gelungenen Artworks, welche sich vermutlich am zentralen Song „Flowers“ orientieren, stammen von Herbert Starek und nicht von Rozz Williams, wie man meinen könnte.
Thomas Vogel

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2018.
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