CD-Rezension / Review / Kritik

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Dan Terminus Automated Refrains CD Cover

Dan Terminus „Automated Refrains“

(Blood Music)
Quietschbunte Androiden fliehen vor Dämonen mit dem Cyber-Dreizack, Orgeln aus Elfenbein wachsen raketengleich in den Himmel, schleimig bunte Reptilien winden sich um psychedelische Wolkenkratzer einer versunkenen Kultur. Nein, schön sind sie nicht zwingend, die Artworks von Dan Terminus. Und doch die perfekte Visualisierung seiner ausladenden elektronischen Musik, mit der der Franzose seit drei Alben und einer EP maßgeblich die Synthwave-Bewegung prägt. Auch „Automated Refrains“ strotzt vor geschwinden Maschinen-Rhythmen, analog dazwischenfahrenden Geschossen und Vocoder-Funksprüchen. Vor allem „Margaritifer“ heizt in diesem Sinne kräftig ein, während „Grimoire Blanc“ oder „Friendship Through Clear Plastic Walls“ mindestens sieben Minuten brauchen, um ihr hirnzerbeulendes Potenzial mit Schmatz-Synthies, aufjaulenden Achtziger-Harmonien und Space-Breaks voll auszuschöpfen. Wer also dachte, Cliff Martinez’ „Drive“-Soundtrack oder Bands wie Chromatics oder Glass Apple Bonzai seien das Höchste der Retro-Gefühle, dem werden hier erst recht eine Stunde lang die Farben vor den Augen tanzen. Ein Album wie eine grün zerlaufende Sonne vor marmeladenem Horizont. Und wer das auch mal sehen beziehungsweise hören möchte: „Automated Refrains“ steht auf der Bandcamp-Seite von Blood Music in digitaler Form kostenfrei zum Download bereit.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 12/2017.

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