CD-Rezension / Review / Kritik

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the horrors luminous


The Horrors
„Luminous“
(XL Recordings/Beggarsgroup/Indigo)
Post Punk war einmal. Zumindest für The Horrors. Schon was der Fünfer aus Southend-On-Sea auf seinem letzten Album „Skying“ veranstaltete, ließ eher an Schlaghosen und bunt gesprenkelte Paisley-Hemden denken denn an Bands, die in schwarzen Klamotten und mit zusammengebissenen Zähnen das Erbe von Joy Division verwalten. Und so ist der vierte Longplayer der Briten trotz des dunklen Covers eine titelgemäß lichtdurchflutete Angelegenheit geworden, die auch von Faris Badwans Dream-Pop-Projekt Cat's Eyes und Rhys Webbs elektronischer Zweitband Spider And The Flies zehrt: Schaurige Kreischsägen-Moritaten oder Seelenschlürfer wie „I Can’t Control Myself“ oder „New Ice Age“ sind längst von wohligem Midtempo und ausladend groovenden Popsongs verdrängt worden, wie die beiden Vorabtracks „So Now You Know“ und „I See You“ zeigen. Und selbst wenn in „Falling Star“ und „Sleepwalk“ die Drums poltern und die Gitarre aggressiv nach vorne geht, hat das kaum mehr etwas mit den zu „Strange House“-Zeiten gern als Vergleich herangezogenen The Cramps oder The Sonics zu tun, sondern eher mit den zeitgenössischen Psychedelia-Auswüchsen von TOY oder S.C.U.M, die The Horrors passenderweise auf Tour begleiteten. Dies eine Stilzuschreibung, auf die sich die Briten zwar ungern festlegen lassen – was den Hörer aber nicht hindert, zu „Luminous“ auf bunt schillernden Wölkchen gen Stratosphäre zu entschweben. Wer hier noch bunte Pillen braucht, ist entweder ein armer Wicht ohne Fantasie – oder sollte „Luminous“ gleich noch einmal hören. Bis ihm ein Licht aufgeht.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2014.

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