CD-Rezension / Review / Kritik

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Godflesh Post Self CD Rezension

Godflesh „Post Self“

(Avalanche/Indigo)
Drei Jahre nach dem überragenden „A World Lit Only By Fire“ veröffentlicht Mastermind Justin K. Broadrick das neunte Album seines vermeintlichen Hauptsteckenpferds. Dabei konnte man schon seit geraumer Zeit den Eindruck gewinnen, als würde der Mann aus Birmingham in verstärktem Maße ein größeres Augenmerk auf sein designiertes Haupt-Nebenprojekt Jesu oder diverse Kollaborationen (wie etwa mit Mark Kozelek) legen. Und zumindest phasenweise bestärkt „Post Self“ diesen Verdacht. Denn es will Justin K. Broadrick irgendwie nicht gelingen, Godflesh einen innovativen Geist einzuhauchen, der das Soundkonzept von dem unterscheidet, was als bekannt vorauszusetzen ist. Dabei bleibt die Frühphase der immensen Industrial-Brutalität von Alben wie „Streetcleaner“ oder „Slavestate“ außen vor. Ebenso die zwischenzeitliche Liebäugelei mit Dub, HipHop oder Breakbeat. Vielmehr setzt „Post Self“ den stoischen Duktus seines Vorgängers fort, freilich ohne neue Akzente zu setzen. Gäbe es besagten Vorgänger nicht, wäre „Post Self“ ein großartiges Album. Und wenn es darum geht, schlechte Laune mit Erlösungsphantasien zu kreuzen, bleibt Godflesh ohnehin unerreicht. Auf meiner Playlist hat dieses Album jedenfalls sofort ein lauschiges Plätzchen gefunden. Direkt neben „Sterilize“, der neuen Scheibe von Unsane.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 12/2017.
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Tuesday the 19th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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