CD-Rezension / Review / Kritik

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davidge slo light

Davidge
„Slo Light“
(7Hz Recordings/Alive)
Wichtiger als die Kenntnis des Studioequipments ist für einen Produzenten ein sicheres Händchen im Umgang mit Menschen. Neil Davidge hat beides unter Beweis gestellt. Er hielt bei seiner langjährigen Arbeit mit Massive Attack nicht nur die Launen und Befindlichkeiten von 3D und G aus, sondern zauberte unvergessliche Alben, deren Einfluss noch heute nachhallt. Auf seinem ersten Soloausflug entfernt sich Davidge nicht allzu weit von den Pfaden, die er mit Massive Attack eingeschlagen hat. Es regieren die trippigen Bässe und Beats, auf die sich großflächige Streicher- und Synth-Arrangements stapeln. Einige Ideen stammen offenkundig noch aus den Sessions zu „Heligoland“ („How Was Your Day“), andere atmen die vernebelte Stimmung von „100th Window“. Allerdings kaut Davidge keinesfalls bestehende Songs wieder. Seine Tracks sind melodiöser, emotional aufgeladen und zeichnen sich durch filmmusikalische Qualitäten aus. Geprägt werden zarte, orchestrale Balladen wie „Home From Home“ und „Hummingbird“ vor allem durch die vielen Gastsänger(innen). Eine ganze Schar, darunter Cate Le Bon, Stephonik Youth und alte Eisen wie Sandy Shaw, hat er für die 13 Tracks im Studio versammelt. Damit all die schönen Stimmen und die entspannte Atmosphäre nicht einlullt, streut Davidge immer wieder unruhige Songs wie „They Won’t Know“ ein, die eine wildere Seite des Produzenten zeigen. Jedoch durchtrennen die vereinzelten Ausbrüche nie den roten Faden. Die kräftige Handschrift Davidges hält „Slo Light“ fest zusammen.
Torsten Schäfer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2014.

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