CD-Rezension / Review / Kritik

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Drangsal Zores CD Cover

Drangsal „Zores“

(Caroline/Universal)
Die mächtige Bürde als genommene Hürde: Nach dem kaum einzudämmenden Bohei, das Max Gruber vor zwei Jahren mit seiner bloßen Erscheinung sowie dem Debütalbum „Harieschaim“ auszulösen vermochte, setzt es nun mit „Zores“ Saures. Zumindest für Neider, die es kaum erwarten konnten, Drangsal als ephemeres Phänomen zu entlarven. Allein schon das Risiko eingegangen zu sein, nahezu sämtliche Stellschrauben frisch zu polieren (wenn nicht gar neu zu justieren), enthebt den Jungmeister sämtlicher Bredouillen, die ihm ein auf Nummer sicher geeichtes Zweitwerk vermutlich eingebrockt hätte. Also fährt Max Gruber den Postpunk-Anteil zugunsten einer an britischen Idolen (Prefab Sprout) orientierten Eleganz zurück, die sich in erfreulich eigenwilliger Weise mit seiner offensiv ins Spiel gebrachten Lust an luftigem Tempo reibt. Dass er zudem nun überwiegend deutsch singt, wird angesichts des musikalisch vollzogenen Umschwungs beinahe schon zur Randnotiz, wenngleich sich die Gewitztheit seiner Zeilen ebenso ins Bewusstsein meißelt wie das fintenreiche Spiel mit den Gepflogenheiten eines konventionellen Songaufbaus. Dabei vollzieht sich auf „Zores“ ein kontrastreich aufgefächertes Hintergehen von Überraschung und Effekt. Was zunächst einen uneinheitlichen Eindruck erweckt, entpuppt sich als ein Glissando aus Widerhaken, dem in den Annalen der Popmusik fortan ein ausführlicher Eintrag gebührt. Allein die entsprechende Rubrik müsste erst noch erfunden werden. Man könnte sie schlicht „Zores“ nennen.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2018.
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