CD-Rezension / Review / Kritik

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Fever Ray Plunge CD Cover

Fever Ray „Plunge“

(Rabid Records/[PIAS] Cooperative/Rough Trade)
Hinein ins Vergnügen – das gilt auf dem zweiten, digital bereits letzten Herbst erschienen Fever Ray-Album in mehrerlei Hinsicht. Auf „Plunge“ wagt Karin Dreijer einen Kopfsprung in die bizarren und hemmungslosen (Homo-)Sexualpraktiken, die auf dem 20-minütigen Drone-Brüter „Old Dreams Waiting To Be Realized“ vom letzten The Knife-Brocken „Shaking The Habitual“ bereits brodelten. Für die schockgefrosteten Klackerbeats des Debüts ist bei so viel kopulativem Hedonismus kein Platz mehr: Die Rhythmen pumpen und breaken energisch, drehen im adrenalinseligen „IDK About You“ gar gänzlich durch, während die Singles sich zumindest musikalisch beruhigen: „To The Moon And Back“ wäre ohne die bizarren BDSM-Praktiken aus dem Video unschuldiger, hyperaktiv pulsierender Electro-Pop, in den sich das Wort ‚pussy’ verirrt hat. „Wanna Sip“ zischt so staubtrocken ab, wie man das nach dem Clip mit saftigem Körper-Clinch inklusive Lebensmittel nie erwarten würde. Schon expliziter: „This Country“, ein vorlauter Stampfer mit The Knife-Zipfel, der zwölf Erwähnungen von ‚fuck’ in nie gehörter semantischer Dichte vereint. Klingt spöttisch, ist aber so – schließlich geht es um Dreijers Zorn über die Bevormundung sexuell von der Norm abweichender Menschen. Sie selbst will das F-Wort 17-mal gezählt haben – wir hören noch mal nach. Und gönnen uns als Verschnaufpause zwischendurch das instrumentale Titelstück sowie zum Schluss „Mama’s Hand“, das sich rührend in die elterliche Obhut zurückwünscht. Auch eine starke Frau beziehungsweise Person wird eben einmal schwach. „Plunge“ jedoch niemals.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 03/2018.
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