CD-Rezension / Review / Kritik

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Bad Stream Bad Stream CD Cover

Bad Stream „Bad Stream“

(Antime/Rough Trade)
Kommt auf die Pommes noch wat bei? Wir wissen nicht, wie man diese Frage in Geisenhausen formuliert – die Antwort lautet jedenfalls ja. Zumindest im Fall der Band Frittenbude aus jenem niederbayerischen Ort, die inzwischen allerdings in Berlin ansässig ist. Neben punkig-elektronischer Indie-Vollbedienung ist das Trio nämlich auch mit diversen Nebenprojekten beschäftigt. Keyboarder Jakob Häglsperger etwa mit seinem Dubstep-Alias Kalipo und Gitarrist Martin Steer als Midimúm sowie mit dem eigenen Label Antime Records. Bad Stream ist vermutlich Steers ambitioniertestes Solostandbein: Dieses Debüt verschreibt sich anfangs nur scheinbar Minimal Techno und Ambient und mausert sich bald von schwerelosen Soundscapes über eine Art Fortsetzung von Moderat mit leicht anderen Mitteln bis hin zum verbreakten (Post-)Rock. Zentrales Motiv sind die besorgniserregenden Auswüchse eines aus den Fugen geratenen Internets – da hallen zu zerrenden Drummachines „Sex Cries“ durch virtuelle Welten und kickt „Drown On Mars“ einen infektiösen Electro-Brecher mit lebendigem Schlagzeug, während sich Steers Gitarre immer deutlicher in den Vordergrund drängt. Und wird diese in Stücken wie „#Angst“ ähnlich ungemütlich wie seine Stimme, ist mit Nine Inch Nails’ Trent Reznor auch ein ungleich bekannterer Digitalskeptiker in Hörweite. Musikalische Skepsis ist nach diesen großartigen 71 Minuten jedoch gänzlich fehl am Platze.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2018.
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